Montag, 20. Dezember 2021: Von Rock’n’Roll und nicht Rock’n’Roll und einem Rauswurf

Heute Pause. Alles, was wir tun, ist nach Bremen fahren. Dort ist morgen das letzte Konzert. Habe gestern eine Geschichte über einen Pinguin vorgelesen. Kam gut an. Die Vorband war sehr trinkfest haben wir dann gemerkt. Die haben ordentlich vor, während und nach ihrem Auftritt gebechert, sodass die Shy Knights sich ihrer Rockerattitüde nicht mehr so sicher waren.

Besonders Kevin schien damit ein paar Probleme zu haben.

Kevin: Wir sind auf Tour und haben noch nicht einen Tag lang irgendetwas Krasses gemacht.

Ich: Ich weiß nicht. Wir sind durch halb Mecklenburg-Vorpommern gelaufen.

Kevin: Ich rede von Rock und Freiheit, Mann! Du verstehst das nicht, du bist kein Musiker. Und auch kein Punk.

Ich begutachtete ihn. Kevin ist tatsächlich der einzige der Band, den ich optisch als Punk bezeichnen würde. Ring in der Nase, lange Haare, Kajal. Die anderen sind Normalos. Bis auf Max. Der ist Boxer. Optisch.

Ich: Dann flippe doch aus. Wer hält dich auf?

Das wusste er selbst nicht, also ist er ausgeflippt. Und das endete darin, dass er so betrunken, wie er war, mal wieder nicht vernünftig spielen konnte. Tatsächlich stolperte er beim dritten Lied über sein Gitarrenkabel und fiel ins Schlagzeug hinein. Mark, der sonst für jeden Spaß zu haben ist, hatte genug. Sie setzten Kevin auf einen Stuhl und beendeten den Auftritt ohne ihn. Gleich hörte es sich auch viel besser an. Marks Geschrei hinter der Bühne nach dem Konzert erschreckte dann sogar die Vorband. Man muss wissen, dass Mark sehr viel an dieser Band und der Musik liegt. Es ist sein Baby. Und wenn man irgendwann von der Musik leben will, braucht es eben mehr als Saufen und Spaß, sondern auch Disziplin. Ich war ein wenig überrascht, solche Worte aus seinem Mund zu hören. Aber in Bezug auf Musik war es gar nicht so verwunderlich.

Kurzum besprach sich Mark noch am Abend mit den anderen beiden und beim Frühstück im Hostel zeigten sie Kevin die rote Karte. Das letzte Konzert würde ohne ihn stattfinden. Danach würden sie beraten, wie es weiterging.

Ich werte nicht, möchte ich anmerken, ich beobachte nur. Und Mark sagte, ich dürfe darüber berichten, auch wenn es streng genommen Interna ist.

So wird die Band morgen nur noch zu dritt auftreten.

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