Mittwoch, 15. Dezember 2021: Von Rasur, Privatsphäre und einer Werkstatt in Rostock

Es ist deutlich milder draußen. Wie soll da Weihnachtsstimmung aufkommen? Wie überhaupt, wenn man mit einer Rockband herumtourt, die obendrein auch noch sauer auf einen ist… Aber mal von vorne.

Endlich ein vernünftiges Zimmer mit Bett und Bad. In Lübeck können wir bei Max‘ Eltern schlafen und die haben zum Glück ein großes Haus. Und morgens im Spiegel sieht mich erst einmal ein überraschter Typ mit üblem Drei-Tage-Bart an. Also rasiere ich mich. Wieder diese grotesken Gedanken dabei. Ich rasiere mich gern symmetrisch. Das ist aber auch mein einziger Tick (soweit ich weiß). Und dann bleibt am Ende nur noch der Teil zwischen Oberlippe und Nase. Erst links, dann rechts, und immer ist da diese Angst, plötzlich an einem Herzinfarkt oder ähnlichem zu sterben, bevor man die Mitte, die Haare des Philtrums erreicht hat. So will man ja nicht gefunden werden. Zwar bin ich großer Anhänger von Charlie Chaplin und Oliver Hardy, aber dann war da ja noch so einer, der diese Art Bart zur Schau gestellt hat. Und mit dem will ich auf keinen Fall verglichen werden. Wie gesagt: Dumme Gedanken.

Aber auch das habe ich überlebt.

Das Frühstück war dann etwas heftiger. Offenbar habe ich in den letzten Tagen zu sehr aus dem Nähkästchen der Band geplaudert.

Ich: Was soll ich denn sonst schreiben, wenn ich nicht über die Band schreiben soll?

Mark: Du sollst ja über die Band schreiben, aber nichts Internes. Das mit Kevins Ex-Freundin geht niemanden etwas an.

Ich: Soll ich das jetzt entfernen?

Mark: Ja.

Kevin: Nee, lass mal.

Ich: Na, dann sehe ich das Problem nicht.

Mark: Schreib lieber über die Auftritte und die Musik.

Ich: Das mache ich doch.

Mark: Ohne Privates.

Worauf wir uns schließlich geeinigt haben, bleibt an dieser Stelle privat. Ein guter Hans Falk lässt sich auch mal zensieren, wenn es von Nöten ist. Schließlich dient es der Sicherheit und der Privatsphäre unserer Bandmitglieder. Ich bin letztendlich ja auch ein schüchterner Ritter, ein Shy Knight, so bescheuert der Bandname auch ist. Tut mir leid, Mark.

Der Auftritt gestern. Ja, was soll ich sagen? Große Halle. Großes Publikum. Also nicht körperlich, sondern was die Stimmung angeht. Es ist definitiv interessant, wenn man sich das mehr oder weniger selbe Konzert mehrmals hintereinander ansieht, und Ähnlichkeiten sowie Unterschiede feststellt. Oldenburg war chaotisch und vergleichsweise gediegen. Lübeck rastete vollkommen aus. Das liegt nicht an den Städten, sondern an den Leuten, die zum Konzert kamen. Max hatte leicht untertrieben, als er meinte, dass er ein paar Leuten Bescheid gegeben hatte, denn so groß sind die Shy Knights nicht, dass diese Eskalation ausbrechen musste. Wir reden hier selbstverständlich nicht von Arenagrößen, sondern von 50 Menschen. Aber immerhin.

Das Bier war lecker. Wahrscheinlich darf ich hier keine Werbung dafür machen. Schade eigentlich.

Jedenfalls war das Bier so lecker, dass ich gar nicht mehr genau weiß, wie der Auftritt letztendlich war, wenn ich ehrlich bin. Besser. Soviel ist sicher. Heute fahren wir nicht nach Rostock. Mark sagte, dass ich das betonen soll. Aus irgendeinem Grund findet er die Stadt nicht gut. Auch das soll ich ausdrücklich erwähnen. Ich will anmerken, dass das nicht meine Meinung ist. Ich habe keine Meinung zu Rostock. Ich war ja noch nie da und kenne nur sehr wenig. Eigentlich nur einen Ort am Stadtrand. Vielleicht ist der Rest sogar schön. Alle Menschen der Welt sollten selbst nach Rostock fahren und sich selbst eine Meinung bilden. Nur ich nicht. Zumindest nicht heute. Wir fahren vielmehr zu unserem nächsten Ziel. Ribnitz. Hoffentlich.

Da wir da bisher aber noch nicht angekommen sind, kann ich darüber noch nicht viele Worte verlieren. Der Wagen muss nämlich zunächst repariert werden. ADAC klingt zwar spießig, ist aber verdammt hilfreich für eine Band auf Tour. Und wie gesagt: Die Temperatur ist ja mild. Darum macht es nicht so viel aus, auf diesem Werkstattgelände zu hocken und diese Zeilen in den Laptop zu tippen. Zumindest solang ich noch Strom habe.

Werden die schüchternen Ritter in Ribnitz ankommen? Wird das Konzert ein Erfolg? Darf Hans Falk auch morgen noch über die Band schreiben? Wie ist das Bier weiter östlich die Ostsee runter? Werden wir das Werkstattgelände hier in Rostock je verlassen? Habe ich dort genug Strom, um all diese Fragen beantworten zu können? Das alles erfahrt ihr hoffentlich morgen.

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