Donnerstag, 16. Dezember 2021: Von Abstimmungen, langen Wegen und Unplugged-Auftritten

Habe ich nicht gestern noch gesagt, wie angenehm das Wetter ist? Ich nehme das zurück. Bei 25 Grad und Sonne können wir noch einmal darüber sprechen. Zumindest wenn ich irgendwo mitten in Mecklenburg-Vorpommern zu Fuß unterwegs bin.

Der Wagen war ziemlich kaputt. Wir sollten ihn morgen abholen. Jetzt stand natürlich die Frage im Raum, wie wir nach Ribnitz kommen.

Mark: Wie kommen wir denn dann nach Ribnitz?

Mechaniker: Mietwagen.

Mark: Dafür haben wir kein Geld.

Mechaniker (milde lächelnd): Dann zu Fuß oder mit der Bahn.

Mark: Wie lang dauert es zu Fuß?

Mark hasst öffentliche Verkehrsmittel. Aus Prinzip. Wahrscheinlich wurde er einmal zu oft beim Schwarzfahren erwischt.

Max sah im Internet nach, wie wir am schnellsten nach Ribnitz kamen. Die fünf Stunden zu Fuß wollte niemand von uns in Kauf nehmen. Kevin und Mark wollten trampen. Max und Benni den Zug nehmen. Es lag an mir. Ich wurde tatsächlich gefragt. Wie ein Teil der Band hatte ich eine Stimme! Und ich musste sorgsam mit ihr umgehen. Mit Logik und Vernunft an die Sache herangehen.

Ein Blick auf die Karte verriet mir, dass wir der Hauptbahnhof in Rostock sich westlich von uns befand. Und wir brauchten sicherlich noch einige Zeit, um dahin zu kommen. Ribnitz lag östlich von uns. Meine Logik befahl mir, dass wir also nicht erst in die entgegengesetzte Richtung gehen sollten.

Die Logik ist auch manchmal etwas dumm. Besonders wenn sie unlogisch ist.

Der Fußweg nach Ribnitz dauert über 5 Stunden. Trampen ist so eine Sache, wenn man zu fünft ist und Instrumente dabei hat.

„Eigentlich braucht ihr mich ja nicht“, sagte Benni immer wieder. „Eigentlich kann ich auch beim Bus bleiben.“ Gefühlt sagte er es mit jedem Schritt Richtung Osten. „Ich habe mein Schlagzeug ja eh nicht mitnehmen können.“

Ich: Du kannst ja auf einen Tisch hauen oder so.

Benni: Das ist doch nicht dasselbe.

Mark: Dann geh doch zurück.

Und natürlich löste das einen Streit aus, der aber irgendwann beendet wurde, weil wir uns darüber bewusst wurden, wie bescheuert wir aussehen mussten, im Winter mit Gitarrentaschen durch die Landschaft zu laufen.

Nach eineinhalb Stunden kamen wir in Mönchhagen an. Niemand hatte für uns angehalten und ich meine Füße taten weh und ich hatte keine Lust mehr. Benni hielt inzwischen 30 Meter Abstand zu uns. Allerdings schlug ich mich wie auch Kevin auf seine und Max‘ Seite und stimmte für den Zug. Schließlich gab es hier einen Bahnhof. Die Aussicht weitere vier Stunden bis nach Ribnitz zu laufen war nicht sehr schön. Außerdem wären wir zu spät zum Auftritt gekommen.

 Das Konzert war schließlich recht gut, wenn auch ungewöhnlich. Da wir keinen Verstärker mitnehmen konnten, war es musikalisch etwas anders als zuvor. Max‘ E-Bass hörte er kaum, sodass er mit seiner tiefen Stimme die Noten mitsummte, was schon fast jazzig klang. Marks Akustik-Gitarre, die er zum Glück für ein Stück mit zur Tour genommen hatte, übertönte natürlich fast alles. Kevins E-Gitarre klang ohne Verstärker natürlich eher blechern, aber wir hielten einfach ein Mikrofon an die Saiten, wenn er ein Solo spielte. Benni haute wie ein Besessener mit Holzlöffeln auf einem Tisch herum.

Die dreißig Zuschauer waren begeistert. Ich war fertig. Immerhin gab es ein warmes Bett in einer Jugendherberge, wo ich mir zum ersten Mal mit meinen Bandkollegen ein Zimmer geteilt habe, um herauszufinden, dass einer von ihnen wie ein Holzfäller schnarcht. (Ich sage nicht, wer…)

Immerhin ist heute kein Auftritt. Von daher sind wir (diesmal einstimmig abgestimmt) mit dem Zug nach Rostock zurückgefahren, um den Wagen abzuholen. Dann geht es gleich zu unserer nächsten Station weiter, wo wir morgen unser Konzert geben. Wo das ist, verrate ich aber erst dann.

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