Dienstag, 21. Dezember 2021: Von Schreibplätzen, dem Merchstand und Lampenfieber

Ich bin mir übrigens darüber im Klaren, dass ich für dieses Blog keinen Pulitzer- oder Nobel-Preis gewinne. Ihr müsst bedenken, dass ich diese Zeilen hier immer zwischen Tür und Angel schreibe. Auf Parkbänken, im Backstage-Raum, während neben mir verzerrte Gitarren dröhnen, im Bus, der hin- und herwackelt. Oder an einem Tisch, an dem gleichzeitig zwei Bandmitglieder streiten.

Obwohl sich das seit Kevins Rückkehr nach Hamburg etwas gelegt hat. Mark ist immer noch angespannt. Er will, dass die Tour ein Erfolg wird. Und bisher ist sie das auch. Viele CDs und Platten wurden verkauft, sogar einige T-Shirts. Vom Merchstand habe ich ohnehin noch nicht so viel erzählt, fällt mir gerade auf.

In Lübeck war eine lustige junge Frau am Stand, während ich die Stellung dort hielt. Sie fragte mich nach meiner Funktion in der Band, da ich ja nicht auf der Bühne gestanden hatte. Und ich berichtete von meiner Aufgabe, zu bloggen und allgemein ein wenig zu helfen. Dann kaufte sie eine CD und wollte eine Quittung.

Ich: Eine Quittung?

Frau: Ja, ein Zettel, auf dem steht, dass ich das hier gekauft habe.

Ich: Ich weiß, was eine Quittung ist.

Frau: Dann hätte ich gern eine.

Ich sah mich um.

Ich: Hast du einen Stift?

Frau: Ja.

Während sie in ihrer Handtasche wühlte, riss ich einen Stift von der Papiertischdecke des Tisches ab, auf dem die Merch-Artikel lagen. Nachdem sie mir den Stift gegeben hatte, kritzelte ich darauf: „CD, 10 EUR. 15. Dezember. Danke für Ihren Einkauf.“

„Was steht da?“, fragte sie. Ich las es ihr vor. Offenbar war sie damit zufrieden und ging ihrer Wege. Es gibt komische Menschen.

Manche kamen nur wie beim Flohmarkt vorbei, ließen den Blick über die Sachen schweifen, sahen einem dann in die Augen und verschwanden wieder, als ob irgendetwas in meinem Gesicht war, dass sie vom Kauf abgehalten hat. Viele wollten nur labern, mit der Band anstoßen, mit Mark über seine Musik sprechen. „Das Übliche“, sagte Mark wie ein Profi, obwohl es seine erste Tour ist. Man kann sehen, wie stolz er ist. Es muss ein großartiges Gefühl sein, wenn 50 Leute zu der eigenen Musik tanzen und mitsingen. Wie muss es sich erst bei 500 anfühlen? Oder gar 5000? Mark zuckt bei dieser Frage nur mit den Achseln und grinst. „Ich bin schon bei einem Zuhörer nervös. Da kommt es auf den Rest auch nicht mehr an.“

Ich muss zugeben, dass man ihm das nicht anmerkt. Und ich hoffe doch sehr, dass er wirklich irgendwann hauptberuflich Musiker sein kann.

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